Wir wiesen schon Anfang März darauf hin, dass nach Überzeugung kritischer Wissenschaftler bis zu 120 Breitenbacher durch Infraschall geschädigt werden könnten, sollte der geplante Windpark in Dorfnähe errichtet werden. Diese Zahl – um die 20% der Bevölkerung reagieren allergisch auf den von Windkraftanlagen ausgehenden Infraschall – wurde nun in einem am 7. Juni 2015 ausgestrahlten Beitrag von SPIEGEL TV durch einen Mediziner bestätigt (ab Min. 3:28 des folgenden Videos). Insbesondere Familien mit kleinen Kindern sollten sich den Beitrag sehr genau ansehen:

Nun begab es sich, daß der Diplom-Politologe auf dem Stuhl des hessischen Energieministers sich drei Tage nach dem alarmierenden SPIEGEL TV-Bericht genötigt sah, mit einem sog. “Faktenpapier” zu Infraschallemissionen in dieser hochkomplexen physikalisch-medizinischen Frage den Fachmann zu mimen, den umfassende Sachkenntnis berechtigt, Entwarnung auf ganzer Linie zu verkünden. Einen Beitrag zur “Versachlichung” nannte Minister Al Wazir sein Papier. 

Wann immer in einer kontroversen Debatte die politisch interessierte Seite von “Versachlichung” redet, schrillen bei kritischen Geistern die Alarmglocken. Zurecht, wie ein erster Blick auf den Text unseres Energieministers zeigt. Da ist allein schon die abenteuerliche Behauptung, Infraschall würde sich

nur bei Schalldruckpegeln deutlich oberhalb der Wahrnehmungsschwelle

auswirken. Für wie dumm hält der Mann uns eigentlich? Infraschall wirkt nur dort , wo er nicht existiert – will uns das der Minister allen Ernstes weismachen? Spätestens seit dem viel Aufsehen erregenden WELT-Artikel vom 1. März diesen Jahres dürfte sich herumgesprochen haben: Infraschall zeichnet sich, wie der Name schon sagt, gerade dadurch aus, daß er unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt (infra < lat. “darunter, unterhalb”). Zur Wahrnehmung der tieffrequenten Schallwellen über andere sensorische Kanäle ist damit noch nichts gesagt. – Und um die geht es.
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Interessant ist, was der Minister über “geltende” Mindestabstände sagt:

„Nach dem gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse ist der in Hessen geltende Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Ortslagen so groß, dass der von den Anlagen ausgehende Infraschall weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bleibt und somit keine wissenschaftlich belegbaren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat“, sagte der Minister. Auch ein Mindestabstand von 600 Metern, wie er für sogenannte Weiler einzuhalten ist, sei nach heutigem Stand des Wissens unbedenklich. (Quelle:  osthessen-news)

Ein einziger Desinformationsklops, der wenig mit Fakten und heutigem Stand des Wissens zu tun hat, ganz im Gegenteil. Die Kausalbeziehung zw. 1000 m Abstand, Wahrnehmungsschwelle und Unbedenklichkeit ist schlicht ministerialer Humbug. Infraschall zeichnet sich (wie die Emissionen von Atomkraftwerken) gerade durch seine scheinbare Nichtwahrnehmbarkeit aus – kann aber über 10 km und mehr Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben, der die unhörbaren Schalldruckwellen sehr wohl wahr-nimmt und auf sie reagiert; s. hierzu die Ausführungen von Dr. Kuck aus Bad Orb, der einen Mindestabstand von 2000 m als Minimalkonsens fordert und die Politik von Leuten wie Wazir schlicht “menschenverachtend” nennt.

“Unbedenklich” ist die Sache nur für Leute, die bedenkenlos mit den Sorgen und gesundheitlichen Risiken der Bevölkerung umspringen. Die Organisation “Ärzte für Immissionsschutz” warnte erst im vergangenen November in einem Postionspapier davor, die vom Infraschall ausgehenden Gefahren zu ignorieren. Die von Befürworterseite per se unterstellte gesundheitliche Unbedenklichkeit sei wissenschaftlich nicht belegt. – Und vor kaum einem Jahr kam eine Infraschall-Studie des Umweltbundesamtes zu dem Schluß:
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viele der negativen Auswirkungen von Infraschalleinwirkungen die Bereiche Herz-Kreislaufsystem, Konzentration und Reaktionszeit, Gleichgewichtsorgane, das Nervensystem und die auditiven Sinnesorgane betreffen.
Darüber schweigt sich der ministrable “Fachmann” beredt aus.
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Das Wiesbadener Hearing (“Faktencheck”) zum Thema Infraschall im vergangenen Dezember, das Grundlage für Wazirs Desinformationspapier war, ging im übrigen nicht so eindeutig aus, wie es vom Minister suggeriert wird. Darüber hinaus ist inzwischen die bahnbrechende Studie des führenden australischen Akustikers Steven Cooper erschienen (Cape Bridgewater Wind Farm Acoustic Study, 21. Januar 2015). Dieser fand eine klare Verbindung zwischen dem von Windrädern ausgehenden Infraschall und Klagen über “unerträgliche Empfindungen” von Anwohnern wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzrasen, Druck in Kopf, Ohren oder Brust usw. (Zusammenfassung der Studie; engl.).
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Der Minister nennt seine Mär von der gesundheitlichen Unbedenklichkeit der von WKAs ausgehenden Infraschallimmissionen “wissenschaftlich belegt”. Nach gegenwärtigem Stand des Wissens eine klare Falschaussage. Wazir lebt ganz offensichtlich im üblichen linksideologischen Wolkenkuckucksheim, weit über der Wahrnehmungsschwelle für Fakten und für die Risiken, die seine “menschenverachtende” Politik der Bevölkerung aufbürdet.