Eine weitere Branche, die dank der Windwahn-Politik  von Bürgermeister Falko Fritzsch erblühen dürfte, ist der Tourismus. Schon jetzt heißt es auf der Website der Stadt:

Eine abwechslungsreiche, reizvolle Landschaft mit dem schönen Flusslauf der Kinzig, kleinen Bächen, Wiesen, Feldern und Wäldern lädt zu erholsamen Spaziergängen und Wanderungen ein.

Animation - Windradanimation150-2Die reizvolle Landschaft wird noch viel reizvoller erscheinen, wenn erstmal sämtliche 48 vom Bürgermeister geplanten Windwahnmühlen die Horizonte ringsum schmücken. Der postmoderne Tourist verlangt schließlich zu sehen, “wo der saubere Strom herkommt”. Oder?

Vorbild könnte die Gemeinde Ulrichstein sein, wo im Jahre 1994 der erste Wind-“Park” in einem deutschen Mittelgebirge errichtet wurde. Seitdem kann sich die Stadt i.U. zu weniger glücklichen Gemeinden der Region des Touristenanstroms kaum noch erwehren, wie die Übernachtungszahlen eindrucksvoll belegen: Von knapp 100.000 Übernachtungen im Jahr vor der
Windparkeröffnung stiegen sie nach Angaben der IHK Gießen-Friedberg in steilem Aufwärtstrend auf unter 20.000 Übernachtung im Jahre 2009 (s. Grafik). Danach standen nur noch Zahlen des hessischen Statistischen Landesamtes zur Verfügung, das für das Jahr 2013 das Rekordniveau von 8531 Übernachtungen ausweist (Infos aus: Ulrichstein – Die Stadt, wo Milch und Honig fließen).

Uebernachtungszahlen Ulrichstein

Grafik Tourismus Ulrichstein

Den Grund für diese allseits erfreuliche Entwicklung des Übernachtungsgewerbes  konnte man bis 2012 auf der Internetseite der Stadt Ulrichstein nachlesen:

Die Stadt Ulrichstein hat ganz bewusst die Windenergie von Beginn an in den Tourismus der Stadt eingebaut und damit gezeigt, dass Windstromerzeugung und Tourismus keine Gegensätze sein müssen, sondern eine vermarktbare Alleinstellung sein können…

Zu dieser Zeit konnte man noch von einem leichten Anstieg der Übernachtungszahlen auf Basis von gerade mal 12 % des einstigen Fremdenverkehrsaufkommens träumen – wegen der Monteure, die nochmal 20 Monster-Windwahnpropeller von über 200 m Höhe auf Ulrichsteiner Gemarkung hochzogen. Kaum waren die Monteure weg, gab es einen neuen Rekord:

  • Jahr 2009 = 12801 Übernachtungen
  • Jahr 2010 = 14082 Übernachtungen
  • Jahr 2011 = 12751 Übernachtungen
  • Jahr 2012 = 13489 Übernachtungen
  • Jahr 2013 =   8531 Übernachtungen

Heute verschweigt man aus unerfindlichen Gründen die Ursache des Tourismus-Booms und meint nur bescheiden:

Fern ab von der Hektik unserer Tage finden Sie hier Ruhe und Entspannung.

16 Windräder_rtf-marathon_Naturpark Hoher Vogelsberg 005 Natur die woanderrs schon lange zerstoert ist

Auf so einen Werbespruch muß man erstmal kommen angesichts eines rundum alle Horizonte und Ausblicke  beherrschenden Rotorenwaldes. Man nennt sich jetzt “Stadt mit Weitblick” – der in natura von nichts anderem als “Spargelfeldern” soweit das Auge reicht beherrscht wird. Die Chuzpe hat Methode: Potentielle Feriengäste werden auf der städtischen Website mit Fotos von idyllischer, komplett windradfreier Landschaft gelockt. Einzig unter der Rubrik “Führung durch einen Windenergiepark” wird schamhaft ein einzelnes Windrad präsentiert.

Neben solch arglistiger Täuschung hatte man auch eine ganz pfiffige Idee: Sternenbeobachtung! In tiefer Nacht kann man bei einem Blick in den Himmel über dem Vogelsberg endlich von dem grauseligen Bild Abstand nehmen, das sich tagsüber in Ulrichstein und seiner Umgebung bietet. –

UPDATE 17. Mai 2016, Mitteilung eines Anwohners: “In der Nacht wird der Horizont in Ulrichstein zu einer Rotlichtzone. Da man Sterne nur bei absoluter Dunkelheit beobachten kann, ist das in Ulrichstein, wegen der WKA-Befeuerung auch nicht mehr möglich.”

Wir sind sicher, unser für seine Innovationskraft bekannter Bürgermeister wird diesen Einfallsreichtum noch weit in den Schatten stellen. Zu denken wäre etwa an nächtliches Karpfentauchen im Paradiesweiher. Der Phantasie sind in windwahnbeflügelten Köpfen keinerlei Grenzen gesetzt.