Am 14. Januar veranstaltete die BürgerBewegung Bergwinkel (BBB) einen Informationsabend anlässlich der Pläne, in unmittelbarer Nähe von Breitenbach 16 über 200 m hohe Monsterwindräder zu errichten.

Entgegen Unkenrufen der üblichen Schwarzseher, dass kaum mehr als die drei Leute kommen würden wie vor Zeiten bei einer ähnlichen Veranstaltung in Kressenbach, fanden sich im Landgasthof Weining rund 170 Interessierte ein, die den großen Saal fast bis auf den letzten Platz füllten. Überraschungsgast des Abends war der nicht gerade für seine Bürgernähe bekannte Schlüchterner Bürgermeister Falko Fritzsch (SPD). Wenig überraschend allerdings, dass er seine Hände in Unschuld wusch, alle Schuld an der Verspargelung des Bergwinkels auf die höheren politischen Instanzen schob und sich dann wortlos verdünnisierte, bevor noch allzu kritische Fragen gestellt werden konnten.

Eine etwas bessere Figur hatte zuvor TurboWind-Geschäftsführer Ingo Kanira gemacht, der zwar vollkommen unvorbereitet erschienen war, sich aber geschickt fing, sagte, was er pro Windkraft sagen musste, aber den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern immerhin versprach, dass mit Ihnen das Gespräch gesucht werden solle, bevor das Projekt endgültig ins Verwirklichungsstadium trete, insbesondere darüber, ob nicht größere Abstände zur Wohnbebauung eingehalten werden könnten. Staunend erfuhren die Zuhörer nicht nur, dass die Fa. Turbowind ein 90-Millionen-Projekt mit Hilfe von gerade mal 25.000 € Eigenkapital stemmen will, sondern auch, daß der für seine Alleingänge hinter dem Rücken seiner Bürger bekannte Bürgermeister schon längst Verträge mit TurboWind geschlossen hat. Das wirft die Frage auf: Sollte die Betreiberfirma einmal insolvent gehen, bliebe dann der irgendwann einmal fällige Rückbau der Anlagen am Stadtsäckel hängen?

Werner Auhl aus Bad Soden-Salmünster wies auf gesundheitliche Aspekte von Windkraftanlagen hin. Man wäre eher auf der sicheren Seite, wenn der Mindestabstand zur Wohnbebauung wie in anderen Ländern längst üblich größer als 1000 m wäre. Man müßte prüfen (Schallgutachten usw.), inwiefern die Breitenbacher unter Schlagschatten, Geräuschen und möglicherweise Infraschall leiden könnten. Dabei ist zu beachten, dass die über 200 m hohen Windräder in der Hauptsonnenrichtung stehen würden, so daß unter Umständen das ganze Dorf mit Schlagschatten belegt würde. – Im Übrigen wies Auhl darauf hin, daß in Sachen Windkraftausbau den Bürgern vom Gesetzgeber praktisch sämtliche Abwehrrechte aus der Hand geschlagen wurden. Dabei wurde sogar die seit 200 Jahren Heilige Kuh »Planungshoheit der Gemeinden« drastisch eingeschränkt – und zwar ausgerechnet von Politikern, die ansonsten das Wort »Bürgerbeteiligung« gern im Munde führen, wie z.B. der hessische Wirtschaftsminister.

Der Hauptredner des Abends, Johannes Sperzel aus Sterbfritz, zeigte auf, wie gering der Anteil der Windkraft am Gesamtstromverbrauch ist, ein Klacks im Wind sozusagen, für den einzigartige Naturräume wie der Bergwinkel in Industrielandschaften verwandelt werden sollen, ohne dass auch nur ein einziges Atomkraftwerk abgeschaltet wird. Besonders beeindruckend waren jene Grafiken, mit denen Sperzel zeigte, warum das alles ein Irrsinn bzw. für die Katz ist. Wegen der beklagenswerten Volatilität des Windaufkommens – mal weht er, mal weht er nicht – und der fehlenden Speichermöglichkeiten verschenkt der Windkraftleuchtturm Deutschland in windigen Zeiten sauberen Strom an die Nachbarn und kauft von diesen bei Flaute teuren Atomstrom dazu. Dies und die exorbitanten Kosten von knapp 100 Mrd. € für 400 Speicherkraftwerke, die mindestens notwendig wären, um kontinuierliche Stromversorgung durch Windkraft zu gewährleisten (die dann gerade mal 3 Atomkraftwerke ersetzen würde) zeige, dass die sogenannte „Energiewende“ ein Aufbruch ins Nichts ist.

Fazit des Abends: Jeder dürfte etwas nachdenklicher nachhause gegangen sein als er gekommen ist. Das war ja auch das Ziel, das Norbert Wuthenow, Sprecher der BBB, in seinen einleitenden Worten aufgezeigt hatte: Er selber sei bis dato überfordert und wisse nicht so recht, wie er das Für und Wider einschätzen solle. Deswegen die Veranstaltung. Dem Mann konnte wie allen Anwesenden geholfen werden.